In der letzten Ausgabe wurde berichtet, dass der sogenannte KM1 Gentest die Unterscheidung von reinerbig und mischerbig tobiano-gescheckten Pferden ermöglicht. Dieser Gentest wurde in Jahre 2002 von einer amerikanischen Arbeitsgruppe entwickelt und wird nun in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Tosso Lech an der Tierärztlichen Hochschule Hannover durchgeführt.
Bis heute ist die ursächliche Mutation für die Tobiano-Scheckung bei Pferden nicht bekannt. Der KM1 Gentest erfasst demzufolge auch nicht die ursächliche Mutation, sondern eine sogenannte gekoppelte Mutation, die sehr häufig zusammen mit der Tobiano-Scheckung auftritt. Vor der routinemäßigen Anwendung eines solchen Gentests muss daher in jeder zu untersuchenden Population überprüft werden, ob die Kopplung zwischen dem Merkmal (Tobiano-Scheckung) und der untersuchten Mutation (KM1-Mutation) tatsächlich besteht.
In den bisherigen Untersuchungen an der Tierärztlichen Hochschule Hannover erwies sich der KM1 Gentest als sehr zuverlässig bei Tinkerpferden, Paints und Pintos (Pinto-Hunter und Pinto-Kleines Reitpferd). Die Testergebnisse dieser Pferde bestätigten damit die Ergebnisse, die früher bei amerikanischen Pferden mit Tobiano-Scheckung erhalten wurden.
Während bei den ersten an der Tierärztlichen Hochschule Hannover untersuchten Lewitzern zunächst eine gute Übereinstimmung zwischen KM1 Gentest und dem aus Abstammungsanalysen vorhergesagten Tobiano-Genotyp festgestellt wurde, liegen nun umfangreichere Untersuchungsdaten vor und es zeigt sich völlig überraschend, dass es einen hohen Prozentsatz von gescheckten Lewitzern gibt, die die KM1-Mutation nicht tragen. Mittlerweile wurden 34 Lewitzer mit Tobiano-Plattenscheckung mit dem KM1 Gentest untersucht und 9 dieser Tiere (26 %) wiesen den Genotyp KM0/KM0 auf, den man normalerweise nur bei Pferden findet, die nicht tobiano-gescheckt sind. Diese Untersuchungsergebnisse deuten darauf hin, dass es in der Lewitzer Population neben dem Tobiano-Allel mit der KM1-Mutation möglicherweise noch ein weiteres Tobiano-Allel gibt, welches bisher in keiner anderen Pferdepopulation beschrieben wurde.
Aus diesen Befunden müssen zwei Schlussfolgerungen gezogen werden. Einerseits bedeutet das Vorliegen von zwei verschiedenen Tobiano-Allelen in der Lewitzer Population, dass das Untersuchungsergebnis des KM1 Gentests bei diesen Pferden nur eine sehr begrenzte Aussagekraft hat. Ein gescheckter Lewitzer mit dem Genotyp KM1/KM1 ist nach dem heutigen Stand der Erkenntnis immer noch mit hoher Wahrscheinlichkeit ein reinerbiger Tobiano. Bei allen anderen Testergebnissen ist aber keine sichere Vorhersage des Tobiano-Genotyps bei Lewitzern möglich. Unter diesen Voraussetzungen erscheint es nicht sinnvoll, denKM1 Gentest für Anpaarungsentscheidungen zur gezielten Zucht von tobiano-gescheckten Lewitzern einzusetzen. Andererseits tragen die gescheckten Lewitzer mit KM0/KM0 Genotyp ein bisher nicht beschriebenes Allel für die Tobiano-Scheckung, welches möglicherweise auch dazu beiträgt, dass die Muster der Plattenscheckung bei Lewitzern besonders vielfältig sind. Prof. Dr. Leeb möchte daher die Farbvererbung bei Lewitzern weiter intensiv erforschen und bittet um Unterstützung seiner Arbeiten durch die Bereitstellung von Proben und Fotos von Lewitzer Pferden. Langfristig sollen die Arbeiten an der Tierärztlichen Hochschule Hannover zur Entwicklung eines verbesserten Gentests führen, der dann auch bei den Lewitzern zur zuverlässigen Bestimmung des Tobiano-Genotyps eingesetzt werden kann.
Fragen zu Probeneinsendungen oder dem Stand des Forschungsprojekts können an folgende Adresse gerichtet werden:
Dr. Rony Jude & Prof. Dr. Tosso Leeb
Institut für Tierzucht und Vererbungsforschung, Tierärztliche Hochschule Hannover